Tanguy Nef, der Pendler zwischen den Kontinenten

20.07.2018

Der Genfer Tanguy Nef hat den Winter 2017/18 mehrheitlich auf nordamerikanischen Pisten verbracht. Das ändert sich nach dem Aufstieg ins B-Kader von Swiss Ski auf den kommenden Winter hin etwas. Wie der 21 Jahre alte Nef sein Studium am Dartmoth College in New Hampshire (USA) und seine sich entwickelnde Ski-Karriere unter einen Hut bringen kann, lesen sie hier.

Tanguy Nef bei einem Renneinsatz im Berner Oberland. – Foto: rk-photography/Rosmarie Knutti

Auch wenn die letzten vier Rennen der Saison 2017/18 in Kimberley (Kanada) und Sun Valley (USA) allesamt mit einem DNF1-Vermerk in der Resultatliste geendet haben darf Tanguy Nef mit dem zurückliegenden Winter zufrieden sein. Im NorAm-Cup resultierten die ersten zwei Siege, vier weitere Podestplätze und der dritte Gesamtrang in der Riesenslalom-Wertung. Vier Siege und zwei 2. Plätze holte sich der 21 Jahre alte Genfer bei Universitäts-/College-Rennen in den USA und dazu wurde er Universitätsmeister im Slalom. Seine Wettkampftätigkeit hatte Nef zum grössten Teil nach Übersee verlegt. Gerade mal sechs der 45 Renneinsätze fanden in Europa, genauer in Vesonnaz und Sörenberg, statt. „Ich habe meine Ziele übertroffen. Das zeigt mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin“, sagte Nef kürzlich gegenüber der „Tribune de Genève“. Nef ist mittelfristig ein Kandidat für einen Aufstieg in den Weltcup, ohne Frage. Und weil der Genfer auch über einen schnellen Super-G-Schwung verfügt befinden sich neben den beiden technischen Disziplinen gleich drei Möglichkeiten in seinem Portfolio.

Tanguy Nef studiert am Dartmouth-College („Big Green“) im US-Bundesstaat New Hampshire und verbringt die meiste Zeit in Nordamerika. Respektive verbrachte, denn mit dem Aufstieg ins B-Kader von Swiss Ski und der Zugehörigkeit zum Europacup-Team wird sich auf den kommenden Winter das eine oder andere für den Genfer ändern. Und Tanguy Nef, dessen Studium in den USA noch zwei Jahre dauern wird, mutiert zum Pendler zwischen Nordamerika und Europa. Mittelfristig will Nef Mitglied der so starken Schweizer Slalom-Mannschaft um Luca Aerni, Daniel Yule, Ramon Zenhäusern, Reto Schmidiger, Marc Rochat, Loic Meillard  und Sandro Simonet werden. Aerni, Yule und Zenhäusern hatte er gegenüber der Genfer Zeitung schon mal – etwas euphorisch – als „Nationalhelden“ bezeichnet. Dieses angestrebte Ziel muss der Romand über den vom Niveau her gegenüber dem NorAm-Cup höher eingestuften Europacup erreichen. In einem Gespräch mit den Trainern von Swiss Ski ist ein grober Fahrplan festgelegt worden, damit Nefs Entwicklung im Vorwärtsgang bleibt und er gleichzeitig sein Studium (Informatik/Wirtschaft) in den USA erfolgreich abschliessen kann. Aktuell absolviert Nef drei statt vier jeweils 12 Wochen dauernde Trimester (Terms) am College. Jenes im Herbst lässt der Schweizer aus, um sich in Europa auf den Winter vorbereiten zu können. Am Grundsatz, dass Nef mit dem Studium den Geist und mit der sportlichen Tätigkeit den Körper parallel trainieren will, ändert sich nichts.

Trainer Renzo Valsecchi erläutert gegenüber skinews.ch die Ideen. „Tanguy Nef kommt Anfang September in die Schweiz und stösst zum Europacup-Team. Geplant ist, dass er die Schneevorbereitung mit uns absolviert und auch die ersten Europacup-Rennen in Finnland und Schweden fahren wird. Aktuell ist geplant, dass er bis Dezember hier bleiben wird. Wir werden nach der ersten Phase im Europacup eine Standortbestimmung vornehmen. “ Je nach Entwicklung im Europacup – Tanguy Nef weist bis auf zwei Klassierungen (71. und 74.) in EC-Abfahrten aus dem Jahr 2016 noch keine Resultate auf europäischer Ebene auf – könnte der Aufenthalt in der Schweiz verlängert werden. „Das passiert aber nur dann, wenn die ersten Europacup-Rennen wirklich super laufen. Sonst fliegt Tanguy zurück nach Nordamerika, um dort seine im NorAm geholten FIS-Punkte verteidigen zu können.“ Bei Swiss Ski ist man willens, Tanguy Nef das Studium weiterhin zu ermöglichen. „Wir haben da einen guten Weg gefunden. Das ist im Interesse des Verbandes und des Athleten“, sagt Valsecchi.

Dem Zufall will man beidseitig nichts überlassen. Das Sommer- und Grundlagentraining am College sei für einen Skifahrer nicht wirklich geeignet, sagte Nef gegenüber der „Tribune de Genève“. „Der Coach kommt ursprünglich aus dem American Football und weiss, wie man Muskeln aufbaut. Vom Skifahren aber weiss er gar nichts.“ Er habe im vergangenen Sommer demzufolge kräftemässig zugelegt, aber andere Voraussetzungen für den Skisport seien zu kurz gekommen. Das soll im Sommer 2018 nicht mehr passieren. Anfang Juni weilte Tanguy Nef in Magglingen respektive Zürich und absolvierte Konditionstests und medizinische Checks. Diese dienten als Basis für ein von Jan Seiler, dem Athletik-Koordinator von Swiss Ski, auf Nef zugeschnittenes Trainingsprogramm. Zudem wird Nef während der Zeit in Nordamerika bei Bedarf durch Seiler auch via Skype betreut und angeleitet. Damit soll die Grundlage geschaffen werden, dass Tanguy Nef im September fit und mit den den EC-Teamkollgen entsprechenden Voraussetzungen zur Europacup-Mannschaft stossen kann.

Autor: Peter Gerber Plech

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