Mit Brodie Seger fahren Hoffnung und ein Stück Schweiz mit

Brodie Seger mit dem von Michelle Rufener entworfenen Helmdesign. – Foto: Instagram @brodieseger

26.11.2022

Der kanadische Rennfahrer Brodie Seger startet in Lake Louise mit einem ganz besonderen Helm in den Winter 2022/23. Mit dem "Helmet4Hope" will er unter anderem auch Geld sammeln, welches in den Kampf gegen die Krankheit ALS investiert wird. Das Design des Helmes hat mit Michelle Rufener eine ehemalige Schweizer Rennfahrerin entworfen.

Brodie Seger mit dem von Michelle Rufener entworfenen Helmdesign. – Foto: Instagram @brodieseger

Wenn der kanadische Rennfahrer Brodie Seger im Winter 2022/23 in seine Rennen startet, fahren immer die Hoffnung und auch ein Stück Schweiz mit. Und zwar auf Segers Kopf. Zum zweiten Mal nach 2021 veranstaltete der 26-Jährige im Herbst die Aktion “Helmet4Hope” in der er dazu aufgerufen hat, ein Design für seinen Sturzhelm 2022/23 zu entwickeln. Mit diesem Helm, der als Vorgaben in der Farbe Lila gehalten und die Farbe Schwarz enthalten musste, macht Seger während des Winters auf die Krankheit ALS, eine degenerative Erkrankung des Nervensystems, aufmerksam und sammelt Geld für die Forschung. Im Winter 2021/22 trug Seger so 18’500  kanadische Dollar zusammen, heuer peilt er das Überschreiten der Grenze von 20’000 Dollar an (Stand 26. November: 11’900 Dollar). Segers Vater Mark lebt mit der Krankheit ALS und im August dieses Jahres ist Lindsey Vonns Mutter Linda Krohn an dieser heimtückischen Krankheit verstorben.

Jetzt steht das Helmdesign fest und bei den Rennen von Lake Louise will Seger den neuen Helm einweihen. “Es war keine einfache Sache, sich für ein Design zu entscheiden”, teilte Brodie Seger kürzlich via Instagram mit. 21 unterschiedliche Designvorschläge hat der Kanadier im Oktober bekommen und aus diesen jenes Projekt ausgewählt, welches nun einen Winter lang seinen Kopf zieren und schützen wird. Und die Gewinnerin des Design-Wettbewerbes ist eine ehemalige Schweizer Skirennfahrerin. Michelle Rufener, Tochter des einstigen Swiss-Ski-Männer-Cheftrainers und kanadischen Alpindirektors Martin Rufener, hat als Symbol für Hoffnung, Kraft und Wachstum eine Eiche gewählt und dessen Blätter in Diamant-Stücken stilisiert. Die Diamanten sollen, so Michelle Rufeners Erklärung, Segers Familie und ALS-betroffene Menschen symobolisieren und auch  für Widerstandskraft stehen. Wie wichtig die Menschen im eigenen Umfeld sind, musste die mittlerweile 23 Jahre alte Berner Oberländerin in der Zeit ihrer vielen Verletzungen erfahren. “Dieses Projekt hat mir viel bedeutet”, sagt Michelle Rufener. “Nicht nur, weil ich damit eine Aktion unterstützen kann, die wichtig ist und an die ich auch glaube. Nach einem Sommer mit einer ‘künstlerischen Blockade’ hat die Arbeit an diesem Helm meine Ideen wieder in Fluss gebracht und mich dazu inspiriert, wieder mehr zu schaffen.” Im kommenden Februar wird Michelle Rufener in Zürich eine Grafikdesign-Studium beginnen… “Und wenn du dann in Lake Louise im Starttor stehst und die Sonnenstrahlen auf die Diamant-Blätter auf deinem Helm treffen, werden diese deine Kraft und die positive Lebenseinstellung, die du an deine Mitmenschen weiter gibts und von ihnen auch zurückbekommst, reflektieren.” Als Anerkennung hat Michelle Rufener 1000 kanadische Dollar bekommen, ein “Zustupf”, den die Studentin bestens brauchen kann. Aber: “Da die ALS-Foundation Geld sammelt, habe ich 250 Dollar gleich als Spende zurückgegeben.”

Dieser Tage weilte nun Martin Rufener in Lake Louise und nützte die Chance, einerseits seinen ehemaligen Fahrer Brodie Seger zu treffen und andererseits das fertige Kunstwerk seiner Tochter vor Ort in Augenschein nehmen zu können. Zudem ist Rufener, der lange in Canmore (CAN) gelebt hat und 2020 in die Schweizer zurückgekehrt ist, in Kanada auf Jobsuche, wie er skinews.ch verraten hat. Der Helikopterpilot, der in der Schweiz aufgrund der erreichten Altersgrenze von 60 Jahren keine kommerziellen Flüge mit Passagieren mehr machen darf (EU-Recht), hatte im April 2022 seinen Job als CEO der Gstaad Airport AG gekündigt und mit der Rückkehr in den Skizirkus geliebäugelt. Nun hat er sich aber in Kanada wieder seiner anderen Leidenschaft zugewendet und bei Yellowhead Helicopters Prince George die jährlichen Checks absolviert und die kanadische Lizenz für Helikopter-Piloten erneuert. “Ich habe wegen der in der Schweiz geltenden Vorschrift ‘die Stiefel geklopft’ und habe mich in Kanada – wie schon einmal vor rund 30 Jahren – auf Jobsuche gemacht”, sagte Rufener gegenüber skinews.ch. Mit Erfolg. Der Berner Oberländer wird ab Januar bis März Ski-Touristen zu den Gipfeln fliegen. “Ich werde nicht wieder auswandern, aber monatsweise zum Arbeiten nach Kanada gehen.” Das grosse Haus, welches Rufener und seiner Familie während vielen Jahren in Canmore eine Heimat gewesen ist, konnte er kürzlich verkaufen.

Rufener trainierte zwischen 1980 und 1984 die Europacup-Frauen des Schweizer Skiverbandes und verabschiedete sich dann in die USA, wo er sich zum Helipiloten ausbilden liess und zwischen 1984 und 1990 als Cheftrainer der Amerikanerinnen amtete. Später übernahm Rufener die Leitung des kanadischen Frauenteams (1991 bis 1993) und kehrte dann in die Heimat zurück. Nach der Rückkehr in die Schweiz lebte er zuerst im Engadin und ab 2003 – als Pilot der Heli-Gesellschaft Bohag – in der Nähe von Interlaken. Ab 2004 und bis 2012 war Rufener dann bei Swiss Ski als Cheftrainer im Männerteam engagiert. Ab 2013 arbeitete er als Sportdirektor und Cheftrainer des kanadischen Verbandes bevor er 2020 in die Schweiz zurückgekehrt ist und die Aufgabe als CEO der Gstaad Airport AG angenommen hat.

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