Corinne Suter in Cortina: mal hui, mal pfui

20.01.2019

Corinne Suter ist auch in Cortina d‘Ampezzo auf der Suche nach der Konstanz. Die Frage bei der Schwyzerin lautet weiterhin: wann geht ihr „der Knopf“ auf?

Corinne Suter – auch in Cortina noch auf der Suche nach der Konstanz. - Foto: GEPA pictures

Das Auf-und-ab zieht sich durch die bisherige Karriere der 24 Jahre alten Corinne Suter. Gestern, in der 2. Abfahrt von Cortina d’Ampezza, hat ganz wenig gepasst und die Schwyzerin ist als 33. ohne Weltcup-Punkte geblieben. Am Freitag dagegen, bei der 1. Abfahrt auf der WM-Strecke von 2021, war Suter so nahe am Weltcup-Podest dran wie noch nie in den 77 Weltcup-Rennen vor dem 18. Januar 2019. Die Winzigkeit einer einzigen Hundertstelsekunde war die Österreicherin Stephanie Venier schneller als die Schwyzerin. Und Podestplätze erhoffen oder erwarten Experten, Fans und auch die Trainer von Corinne Suter eigentlich schon seit dem Ende der Saison 2015/16. Die damaligen Top-Platzierungen von Lake Louise (6. In der Abfahrt), Val d’Isère (5. In der Abfahrt), Cortina d’Ampezzo (7. Im Super-G) und St. Moritz (7. Im Super-G und 8. In der Abfahrt) in Kombination mit den zwei Goldmedaillen von der Junioren-WM 2014 nährten die Hoffnungen darauf, dass Aufsteigerin Corinne Suter zur nächsten Siegfahrerin im Speed-Team von Swiss Ski wird.

Womöglich ist in den Wintern 2016/17 und 2017/18 zu viel Erwartungsdruck aufgebaut worden und Corinne Suter, damals 22 respektive 23 Jahre jung, konnte diesem nicht standhalten. Physisch war sie für die an sie gestellten Anforderungen bereit, psychisch und mental aber fehlte noch einiges. Auch deshalb, weil sie die Trainingsleistungen, die laut ihren Trainern ausgezeichnet gewesen seien, nicht in die Rennen hat umsetzen können. Corinne Suter wollte oft zu viel und verkrampfte dabei. Gerade im mentalen Bereich müsse sie als junge Fahrerin noch einiges dazu lernen, sagte ein Trainer damals. Das Problem, dass Funksprüche oder TV-Bilder von anderen Fahrerinnen die Vorbereitung auf das eigene Rennen und den Fokus auf die eigene Leistung gestört haben, hat die Schwyzerin erkannt. Dank der Zusammenarbeit mit einem Mentaltrainer soll hier Abhilfe geschaffen werden. Sie müsse sich mehr auf sich selber konzentrieren, sagt Suter.

Die Schwyzerin, eine ihrem Charakter auch abseits der Piste entsprechend feinfühlige und im Umgang mit der Piste gar sehr sensible Fahrerin, suchte für jede erdenkliche Schneeart nach der perfekten Abstimmung, verzettelte sich – so erzählen es Insider – zuweilen im Detail und „vergass“ darob das schnelle Skifahren. Im vergangenen Herbst ist Suter aber zum Tüfteln gezwungen worden. Ein Vorkommnis, welches auch einen dramatischen Ausgang hätte nehmen können, bedingte Veränderungen am Skischuh. Eine nicht sofort erkannte Blutvergiftung wurde zur grossen Gefahr und mit Glück konnte eine womöglich drohende Amputation des rechten Fusses abgewendet werden.

Ein neuer Cheftrainer und ein neuer Servicemann sorgten im Umfeld vor der Saison 2018/19 für eine Veränderung und mit den Rängen 12 und 8 bei den Abfahrten von Lake Louise startete Suter mit sogenannt „soliden Resultaten“ in den Winter. Und am 18. Januar stellte sich dann mit dem 4. Platz von Cortina das erhoffte Top-Resultat ein. Der Ärger über den am Freitag so knapp verpassten Podestplatz verarbeitete Corinne Suter gut und sie konnte sich über die gezeigte Leistung freuen. „Ich habe wieder mega Spass am Skifahren“, sagte sie nach dem Rennen. Zur erhofften Stabilität hat dieser Rang aber nicht geführt. Das Rennen vom Samstag verbockte Suter ziemlich, so dass der gewonnene Spass vom Vortag ein ziemlich flüchtiges Gefühl gewesen sein dürfte. Die Frage, wann Corinne Suter definitiv „den Knopf“ aufmacht und die ihren Fähigkeiten entsprechenden Top-Resultate regelmässig ins Ziel bringt, kann nur so beantwortet werden: In Cortina 2019 nicht, vielleicht nächste Woche in Garmisch.

peg

 

Dieser Text ist in Zusammenarbeit mit dem News-Portal www.nau.ch entstanden und dort am 19. Januar publiziert worden.

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