Ein neues Magazin – und skinews.ch durfte „mitmachen“

16.12.2020

Seit heute (16. Dezember) gibt es in der Schweiz ein neues Magazin über den Frauensport im Land. Drei Männer zeichnen für das Produkt verantwortlich und in der ersten Ausgabe spielt auch der Skisport eine wichtige Rolle.

So präsentiert sich das Titelblatt des neuen Schweizer Frauen-Sportmagazins. – Foto: zvg

Seit heute gibt es ein neues Magazin in der Schweizer Medienlandschaft. Leander Strupler, Roman Grünig und Fabian Ruch haben „Sportlerin – das Schweizer Frauen-Sportmagazin“ ins Leben gerufen. Die drei sind der Meinung, dass der Frauensport generell zu kurz komme. „Ich schätze, 90 Prozent der Sportjournalisten in der Schweiz sind männlich und so ist die Sportberichterstattung durch männliches Denken geprägt. Zudem spielt das Geschäft mit den Klicks online eine grosse Rolle. Da macht man lieber nochmals eine Geschichte über Neymars Schienbeinschoner statt eine Hintergrundgeschichte über eine spannende Sportlerin, weil Neymar per se mehr Klicks generiert“, wird Fabian Ruch – einer meiner ehemaligen Arbeitskollegen in der Sportredaktion der Berner Zeitung – in einem Interview mit www.annabelle.ch zitiert. Das mag für viele Redaktionen stimmen, nicht so für jene des Skisport-Portals www.skinews.ch. Hier sind Frauen und Männer gleichberechtigt, egal ob im Weltcup, im Europacup oder im Nachwuchsbereich.

In der ersten Nummer von „Sportlerin“ spielt der Skisport saisonbedingt auch eine wichtige Rolle. Zum Beispiel ist eine Doppelseite der Kombi-Olympiasiegerin Michelle Gisin gewidmet. In einem Porträt wird Annalisa Gerber, Leiterin Sponsoring von Swiss Ski, vorgestellt und eine 13-köpfige Fachjury aus Journalistinnen und Journalisten hat die „beste Schweizer Skifahrerin der Geschichte“ bestimmt. Wenig verwunderlich, dass in dieser „Wahl“ Vreni Schneider ganz an der Spitze der Liste (siehe unten) zu finden ist. Zusätzlich wird „Gold-Vreni“ in einem Text von Olympiasiegerin Dominique Gisin geehrt. Als Chefredaktor von www.skinews.ch durfte ich als Mitglied der Jury meine Hitliste der Top-Skirennfahrerinnen des Landes auch abgeben. Meine persönliche Auswahl der Top-10 fand nicht nur unter dem Gesichtspunkt der erzielten Erfolge statt, viel mehr war mir auch wichtig – dem Zweck des Magazins „Sportlerin“ wohl entsprechend – wie sehr die jeweiligen Athletinnen auch wichtige Eckpfeiler für den Frauensport generell gewesen sind und es noch sind. Deshalb entsprach meine Nummer 1 nicht jenem Namen, der von den anderen 12 Jurymitgliedern genannt worden ist. Statt Vreni Schneider, die es bei mir auf Platz 2 geschafft hat, habe ich Marie-Therese Nadig an die Spitze gesetzt.

 

Nachstehend die Beweggründe für meine Top-4-Bewertung, die so an die Redaktion von „Sportlerin“ ergangen ist:

1 Marie-Theres Nadig (66/Bild) Als aktive Fahrerin wurde sie zweifache Olympiasiegerin und zwei Mal Weltmeisterin. Sie prägte den alpinen Skirennsport in den 1970ern und in der Saison 1980/81 mit dem Gewinn des Gesamtweltcups (80/81) und 24 Weltcupsiegen mit. Sie hat dem Frauen-Skirennsport in den Zeiten, in denen Gleichberechtigung der Frauen ein gesellschaftspolitisch heisses Thema gewesen ist, Gehör verschafft. Und das, obwohl sie eigentlich mit ihrer manchmal raubeinigen, burschikosen Art ein Anti-Star gewesen ist. Später war sie Trainerin in Liechtenstein (Marco Büchel) und im Schweizer Skiverband, wo sie es sogar bis zur Cheftrainerin der Frauen geschafft hatte. Sie öffnete damit erneut Türen für die Frauen, auch wenn sie selber als Cheftrainerin glücklos geblieben ist.

2 Vreni Schneider (55) Drei Mal Olympiasiegerin, drei Mal Weltmeisterin, drei Mal Gewinnerin des Gesamtweltcup – die Elmerin war die Skirennfahrerin von Mitte der 1980er- bis Mitte der 1990er-Jahre. Mit dem Gewinn von 55 Weltcup-Rennen hat sie so viele Wettkämpfe auf höchster Stufe gewonnen, wie keine andere Schweizerin bisher. Und sie erreichte im Weltcup in sämtlichen damals gefahrenen Disziplinen jeweils mindestens einen Podestplatz. Vreni Schneider ist zu jeder Zeit bis heute die bodenständige Berglerin aus Elm geblieben

3 Erika Hess Wenn die heute 58 Jahre alte Nidwaldnerin eine WM-Medaille gewonnen hat, dann war es die goldene. Gleich sechs dieser besonderen Schneekristalle hat Erika Hess zuhause hängen – drei davon hat sie 1982 in Schladming gewonnen. Diese Erfolge – es kamen bis1987 noch drei weitere WM-Titel, insgesamt 31 Weltcup-Siege, 2 grosse und sechs kleine Kristallkugeln hinzu – waren das Resultat von Erika Hess‘ Willen, auf der Piste die Schnellste sein zu wollen. Im Alter von 25 Jahren entschied sie sich für das Karriereende. Sie war nicht mehr bereit, 100 Prozent zu geben. Seit vielen Jahren lebt Erika Hess im Kanton Waadt. Sie war mit Jacques Reymond, ihrem ehemaligen Trainer, verheiratet und ist Mutter dreier Söhne. Jacques Reymond (69) ist im vergangenen Mai verstorben.

4 Ida Schöpfer Im Jahr 1954 wurde die 1929 im Kanton Luzern geborene Ida Schöpfer Weltmeisterin in der Abfahrt und in der Kombination. Sie, die 2014 verstorben ist, war eine Vorreiterin für den Frauensport in der Schweiz. Der Schweizerische Skiverband wollte 1954 ursprünglich aus Kostengrünen keine Frauen an die Ski-WM nach Are schicken. Schöpfer drohte darauf hin, nie wieder für den Verband starten zu wollen, wenn diese Strategie tatsächlich verfolgt werde. Der Skiverband hatte ein Einsehen und schickte eine kleine Delegation nach Schweden – und Ida Schöpfer wurde Doppel-Weltmeisterin. Im selben Jahr wurde die Luzernerin als erste Frau überhaupt zur „Schweizer Sportlerin des Jahres“ gewählt.

Die weiteren Platzierungen in meiner persönlichen Liste:

5 Dominique Gisin
6 Maria Walliser
7 Michela Figini
8 Lara Gut-Behrami
9 Wendy Holdener
10 Sonja Nef

auf dem geteilten 11 Platz und damit nicht in meine persönlichen Top-10 geschafft haben es: Lise-Marie Morerod, Doris de Agostini und Corinne Suter.

 

Und so präsentiert sich die Rangliste der „Sportlerin“-Fachjury (es wurden Punkte von 10 für Platz 1 bis 1 für Platz 10 vergeben):

1 Vreni Schneider 129 Punkte
2 Erika Hess 110
3 Michela Figini 98
4. Marie-Theres Nadig 90
5. Maria Walliser 84
6. Lara Gut-Behrami 66
7. Lise-Marie Morerod 47
8. Sonja Nef 29
9. Wendy Holdener 22
10. Dominique Gisin 15
11. Ida Schöpfer 7
12. Madeleine Berthod 5
13. Doris De Agostini 4
14. Anny Rüegg und Brigitte Oertli je 3
16. Chantal Bournissen 2
17. Corinne Suter 1

 

 

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